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    Rorschacher Sandstein

    Grau, aber oho!

    Neben dem Berner Sandstein ist auch der Rorschacher Sandstein ein bekannter Schweizer Naturstein. Dabei leistet er den typischen Natursteinen aus dem Land beste Gesellschaft, indem er die Verbindung zwischen den beiden verbreitetsten Arten schafft: Rorschacher zählt zu den Sandsteinen, trägt aber die typische Farbe des Granits, den die Schweizer besonders gern haben. Grau ist übrigens momentan bei Natursteinkennern äußerst beliebt, denn der Farbton ist alles andere als langweilig, wie Ihnen auch der Rorschacher Sandstein beweisen wird.

    Die Bärlocher vom Bodensee

    Die Bezeichnung, die man neben Rorschacher Sandstein am häufigsten hört, ist Bärlocher Sandstein. Woher kommt dieser Name? Vom Abbauort sicherlich nicht, denn der Naturstein wird in Rorschach, Staad in St. Gallen, Wienacht und Unterbilchen in zahlreichen Steinbrüchen gewonnen. Dies geschieht schon seit über 600 Jahren und die Sandsteinvorkommen werden noch für viele Generationen reichen. Doch was hat es dann mit der Bezeichnung „Bärlocher“ auf sich? Die Antwort findet sich oberhalb der Rorschacher Bucht im Kreienwald: Hier liegt der Steinbruch der Firma Bärlocher, die den Rorschacher Sandstein schon seit über 100 Jahren abbaut. Bärlocher Sandstein steht also für eine langjährige, erfolgreiche Familientradition.

    Zwischen den Flüssen

    Rorschacher Sandstein zählt zu den Plattensandsteinen. Das bedeutet, dass aus den Bänken mehr oder weniger ebene Platten von ca. 6cm Dicke gewonnen werden können. Vor 20 Millionen Jahren, als der Rorschacher Sandstein zu entstehen begann, war das Gebiet des heutigen Bodenseeraums von einem Flachmeer bedeckt. Das Appenzellerland war damals eine Küstenebene. Zwischen den einstigen Flüssen „Ur-Rhein“ und „Ur-Bregenzer“ bildete sich ein Sandstrand. Durch den Einfluss von Druck und den Zufluss von Bindemitteln verfestigte sich der Sand schließlich zu einem Gestein, dem heutigen Rorschacher Sandstein. Anders als beispielsweise der Berner Sandstein zählt der Rorschacher Naturstein also nicht zu den Molasse-Sandsteinen.

    Grau mit Stich und Punkten

    Rorschacher Sandstein ist relativ feinkörnig und weist eine gleichmäßige Struktur auf. Der Naturstein besteht aus Quarz, Glimmer, Carbonatmineralen und Feldspäten. Diese Bestandteile werden durch ein toniges Bindemittel aneinander gefügt. Der Sandstein weist eine homogene Graufärbung auf, die deutlich ins Grünliche, Bläuliche oder Gelbliche sticht. Farblich also ein direkter Gegensatz zum Roten Sandstein! Charakteristisch für den Rorschacher Sandstein sind die kleinen dunklen Punkte. Dieser Naturstein ist, wie man sieht, also keineswegs eintönig. Der  Stein ist zwar frostbeständig (wie auch alle unsere Sandsteinplatten), Allzu grob sollte man mit diesem Sandstein jedoch nicht umgehen. Wer also einen grauen Sandstein für seine Terrasse sucht, sollte sich einmal den widerstandsfähigen Kandla Grey anschauen.

    Schweizer Spezialität

    Die Einsatzmöglichkeiten von Rorschacher Sandstein sind dennoch extrem vielfältig und erstrecken sich sowohl über den Innen- als auch den Außenbereich. Beim Innenausbau findet der Naturstein vor allem für Bodenbeläge sowie Treppen- und Cheminéeverkleidungen Verwendung. Außen ist er ein beliebtes Material bei der Gartengestaltung: Trockenmauern, Treppen und Außenbeläge werden aus ihm hergestellt. Auch für Fassadenverkleidungen und Renovationen von Fenstergewänden und Säulen wird Rorschacher Sandstein gerne genutzt. Berühmte Bauwerke, bei denen er eingesetzt wurde, sind beispielsweise das Münster von Konstanz oder der Hafen von Rorschach. Auch die Treppenanlage der Universität Zürich-Irchel wurde aus Rorschacher Sandstein erbaut.

    Übrigens: Aufgrund der schon erwähnten gleichmäßigen Struktur ist der Sandstein auch in der Bildhauerei sehr beliebt. Ein (fast) Alleskönner eben!

    [Fotos v.o.n.u.: stonenaturelle, "File:MPano 07 3.jpg" von Fb78 unter CC-Lizenz]

    Rorschacher Konstanz Muenster
    Das Münster in Konstanz wurde mit dem schönen Rorschacher Sandstein ausgekleidet.

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