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    Kalksandstein

    Kalk- oder Sandstein?

    Haben Sie schon einmal von Kalksandstein (KS) gehört? Ist das ein Kalkstein oder ein Sandstein? Keine der beiden Möglichkeiten trifft richtig zu, denn bei Kalksandstein handelt es sich nicht um ein Naturprodukt, sondern um einen künstlich hergestellten Mauerstein aus Sand und Calciumsilikathydrat.

    Kalksandstein – die Lösung in der Not

    Als im 19. Jahrhundert im Vorfeld der deutschen Revolution immer mehr Leute in Ghettos auf engstem Raum lebten, stieg der Bedarf nach neuen, günstigen Wohnungen. Anton Bernhardi, ein deutscher Arzt, Sozialreformer und Unternehmer beschäftigte sich mit der Lösung des Problems (Quelle: Wikipedia). Für den Sozialen Wohnungsbau musste ein preiswertes Baumaterial her. 1856 schließlich präsentierte er sein Ergebnis: Kalksandstein. Die Ziegel aus diesem Material mussten nicht kostenaufwändig gebrannt werden, sondern konnten kalt gepresst werden, die Pläne für die passende Maschine lieferte Bernhardi gleich mit. Er gründete die Firma Dr. Bernhardi Sohn, die bis heute (seit 1947 unter dem Namen EBAWE) Maschinen für die Herstellung von Kalksandstein produziert.

    schwarz-weisse Sitzgruppe mit kleinem Beistelltisch und weissen Dekokugeln auf verlegter Kalksteinplatte Blaustein Azur mit getrommelter Oberfläche
    Kalkstein muss nicht immer weiß sein, wie der blaue Schimmer des Blaustein Azur beweist.

    Unter Druck: Die Herstellung von Kalksandstein

    Wie genau wird Kalksandstein denn nun hergestellt? Zunächst werden Branntkalk und Sand (vor allem Quarzsand) im Verhältnis 1:12 gemischt, wobei Wasser beigegeben wird. Diese Mischung wird in Reaktoren geleitet, wo sich Kalk und Wasser zu Kalkhydrat umwandeln. Ist das passiert, wird die Masse auf Pressfeuchte gebracht und zu Rohlingen geformt. Diese müssen dann vier bis acht Stunden in einem Dampfdruckkessel bei 200 °C und einem Druck von 16 bar hydrothermal gehärtet werden. Während dieses Vorgangs löst der heiße Wasserdampf Kieselsäure von der Oberfläche der Sandkörner, die in Kombination mit dem Kalkhydrat Bindemittelphasen bildet. Diese „wachsen“ auf die Sandkörner auf und sorgen dafür, dass diese sich fest aneinander fügen. Der Kalksandstein ist fertig. Übrigens: Beim Herstellungsprozess entstehen keine Schadstoffe!

    Schwarz-weiss gefleckte Katze läuft über Sandstein Modak in gedeckten Rot-Braun-Tönen
    Kalksandstein ähnelt Sandstein in seinem Gefüge.

    Verwendung von Kalksandstein

    Kalksandstein wird vor allem im Rohbau verwendet, wo er einen hervorragenden Baustoff abgibt. Da Kalksandstein eine hohe Dichte aufweist, ist er tragfähig, schalldämmend und feuerfest. Das Material sollte allerdings immer in Kombination mit Dämmstoffen verbaut werden, da Kalksandstein wärmeleitend ist.  Ein Pluspunkt für Naturfreunde: Kalksandstein ist biologisch einwandfrei und unbedenklich. Das Baumaterial ist frei von chemischen Zusätzen sowie allergieauslösenden Stoffen. Für die Herstellung von Kalksandstein muss nur wenig Energie aufgewendet werden, Emissionen entstehen nur bei der Dampferzeugung. Zusätzlich fallen bei der Produktion keine Reste an. Geht einmal ein Kalksandstein zu Bruch, wird er der Rohmasse wieder hinzugefügt und bekommt eine „neue Chance“.

    Kalksandstein ist eben kein Naturstein

    Auch wenn das mineralische Gefüge von Kalksandstein dem natürlichen Stützgerüst von Sandstein entspricht, und obwohl die Bestandteile des Produkts allesamt natürlichen Ursprungs sind, so handelt es sich hierbei nicht um ein Naturprodukt. Farbgebung und Struktur sind, wie bei fast allen industriell gefertigten Produkten, einheitlich.  Während sich die Entstehung von Naturstein, wie Travertin oder Marmor, viele Jahre im Erdinnern unter allen möglichen Umwelteinflüssen vollzogen hat, ist die Produktion von Kalksandstein geregelt und erfolgt kontrolliert. Dies ist natürlich sinnvoll, wenn das Material im Rohbau verwendet wird, wo es gewisse Anforderungen erfüllen muss. Aber Natursteinliebhaber schätzen die einzigartigen Strukturen und Farben, die charakteristisch für die jeweilige Sorte sind. Im Solnhofener Kalkstein z.B. lassen sich sogar fossile Einschlüsse finden! Zum Glück sind die Einsatzgebiete von Kalksandstein und Naturstein ohnehin grundverschieden, sodass sie keine Konkurrenten darstellen.

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