Artikelinhalte

    Obernkirchener Sandstein

    Der robuste Alleskönner

    Wie auch der Solnhofer Kalkstein ist der Obernkirchener Sandstein für seine paläontologisch wertvollen fossilen Einschlüsse bekannt. Doch nicht nur für die Geologie ist der Naturstein von Interesse: Auch in der Bildhauerei und vor allem in der Bauindustrie wird der Obernkirchener Sandstein gerne verwendet. So wurden die Säulentrommeln der Siegessäule in Berlin zum Beispiel mit Obernkirchener Sandstein verkleidet. Seit der Fertigstellung im Jahre 1873 ist sie eines der Wahrzeichen Berlins.

    Ein bekannter Naturstein: Obernkirchener Sandstein

    Obernkirchen am Bückeberg – so heißt der Ort, an dem der Sandstein gewonnen wird. Um genau zu sein, befindet sich das Vorkommen zwischen Oberkirchen und Stadthagen; Im Norden geht es in den Liekweger Sandstein über. Neben der Herkunftsbezeichnung (Obernkirchener Sandstein) trägt der Naturstein zwei weitere geographische Namen: Bückebergsandstein oder Bremer Stein, benannt nach dem Ort, von dem aus der Naturstein in die ganze Welt verschifft wurde. Die Schweiz sowie die Niederlande, Dänemark, Schweden, Norwegen, das Baltikum und Amerika wurden mit dem Obernkirchener Sandstein beliefert, der bereits seit 1000 Jahren abgebaut wird. Somit befindet sich in Obernkirchen einer der ältesten aktiven Steinbrüche der Welt.

    Obernkirchener Sandstein: ideale Beschaffenheit

    Der Bückeberg lag vor 140 Millionen Jahren, als Deutschland von einem Tropenmeer bedeckt war, an einem Küstenstreifen. Das Kreidemeer wurde von Flüssen aus dem Süden gespeist, die auf ihrem Weg nach Norden viele Sandkörner transportierten. Die gröberen unter ihnen setzten sich aufgrund ihres Gewichtes schon früher am Flussgrund ab, während die besonders feinen Körner noch weiter getragen wurden. Dank dieser natürlichen Filtration ist der Obernkirchener Sandstein besonders feinkörnig und kompakt – Charakteristika für die extrem hohe Witterungs- und Frostbeständigkeit. Diese Eigenschaften sollte man sich zunutze machen: Obernkirchener Sandstein wird nicht nur für die Sanierung von Sandsteinbauten verwendet, sondern auch zum Ausbau von Schifffahrtskanälen. Wegen seiner feinen Struktur eignet sich der Naturstein außerdem gut für bildhauerische Arbeiten.

    Gelb-graue Eleganz

    Obernkirchener Sandstein besteht zu ca. 95% aus Quarzsand, der durch kieseliges Bindemittel zusammengehalten wird. Andere Bestandteile sind Muskovit und Schwerminerale wie Zirkon, Turmalin, Rutil, Apatit und opake Körner. Durch Anteile des Minerals Limonit sowie Kohlebestandteile erhält Obernkirchener Sandstein seine gelbliche bzw. graue Färbung. Der Naturstein ist eigentlich für seine klare, einheitliche Farbgebung bekannt, allerdings ist er zum Teil von kräftigen Bänderungen geprägt, die das warme Sonnengelb in braunen Erdtönen durchziehen. Eine Besonderheit, die den Obernkirchener Sandstein auszeichnet, sind die fossilen Einschlüsse. Überreste aus der Kreidezeit in Form von Knochen und Muscheln tragen zur Einzigartigkeit jedes Steins bei.

    ID694 Obernkirchener Antwerpen
    Auch an der Fassade des Rathaus in Antwerpen strahl der Oberkirchener Sandstein.

    Saurierspuren im Sandstein

    Nicht nur kleine fossile Einschlüsse, sondern auch große Fußabdrücke von Dinosauriern wie dem Iguanodon, dem Allosaurus  oder dem Raptor wurden im Vorkommen des Obernkirchener Sandsteins entdeckt. Im Jahre 2008 erlangt der Steinbruch weltweite Bekanntheit in der Paläontologie, als eine außergewöhnlich große Ansammlung von Dinosaurierspuren auf einem Fleck entdeckt wurde. Der „Hühnerhof“, wie der Ort wegen der vielen, sich überkreuzenden Fußabdrücke genannt wird, ist ein echter Sensationsfund.

    Diese Entdeckung und die bereits erwähnten hervorragenden bautechnischen Eigenschaften (ähnlich derer von indischem Sandstein) haben dem Obernkirchener Sandstein zu weltweiter Bekanntheit verholfen. Dieser Naturstein hat es wortwörtlich in sich!

    [Fotos v.o.n.u.: Sven: "Siegessäule im Januar 2009" unter CC-Lizenz, Charles Hutchins "Stadthuis 1" unter CC-Lizenz]

    Standard-Autor

    Weitere Beiträge, die Sie auch interessieren könnten: