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    Schwarzer Granit

    Ein Wunschtraum

    Ob schwarzer Marmor oder schwarzer Granit – dunkle Natursteine (auch in dunklem Grau)  liegen im Trend. Kein Wunder, dass schwarzer Granit besonders begehrt ist: Die technischen Eigenschaften dieser Natursteinsorte bietet enorme Vorteile. Die Redensart „auf Granit beißen“ kommt nicht von ungefähr: Bunter (z.B. Andeerer Granit), weißer und auch schwarzer Granit zeichnen sich durch eine hohe Widerstandsfähigkeit und Witterungsbeständigkeit aus.

    Schwarzer Granit existiert nicht

    Die Bezeichnung „Schwarzer Granit“ ist ein wenig irreführend: Viele Gesteine, die eine dunkle oder schwarze Farbgebung aufweisen, werden als schwarze Granite verkauft. Sie zählen meist zu den melanokraten Hartgesteinen, auch Melagesteinen genannt. Diese weisen ein relativ großes Volumen an dunklen, sogenannten mafischen Mineralen auf, die sehr magnesium- und eisenhaltig sind. Außerdem beträgt der Anteil an Quarz weniger als 20%, in manchen Gesteinen ist Quarz sogar nicht einmal enthalten. Granit dagegen ist ausgesprochen reich an diesem Mineral! Ein weiterer Gegensatz: Granit zählt zu den leukokraten Gesteinen, welche das Gegenstück zu Melagesteinen darstellen und somit einen besonders geringen Anteil an mafischen Mineralen aufweisen. Schwarzer Granit ist also ein Widerspruch in sich und kann in der Form gar nicht existieren!

    Viele-in-Einem: Schwarzer Granit

    Im Handel ist eine Vielzahl an unterschiedlichen Gesteinsarten erhältlich, die allesamt als schwarzer Granit bezeichnet werden. Vor allem Gabbro, ein häufig mit Granit verwechselter Stein, findet so seinen Weg in die Eigenheime vieler Natursteinfans. Nero Assoluto, eine bekannte „schwarze Granitsorte“, zählt beispielsweise zu dieser Gruppe magmatischer Gesteine.  An zweiter Stelle folgen die Basalte, die den Gabbros sehr ähneln (Basalt besteht aus an der Oberfläche erstarrtem Magma, bei Gabbro geschieht dies bereits im Erdinneren). Weitere Kandidaten, die als schwarzer Granit verkauft werden, sind z.B. Kalkstein, Syenit, Anorthosit, Diorit oder sogar Schiefer. Seien Sie beim Kauf also vorsichtig! Schwarzer Granit wird wie bereits angesprochen als Oberbegriff verwendet, weshalb das, was Händler anbieten genaugenommen kein schwarzer Granit ist. Dass die Ertragsrate sehr gering ist, erleichtert das Handhaben der großen Nachfrage nicht gerade: Nur ca. 5% des im Steinbruch gewonnenen Materials darf nach den Normen des CEN als schwarzer Granit bezeichnet werden.

    Vielversprechender Name

    Doch warum werden überhaupt so viele verschiedene Gesteine als schwarzer Granit verkauft? Einerseits erleichtert diese Bezeichnung den Vertrieb: Kunden, die einen schwarzen Naturstein mit kristalliner, ineinandergreifender Struktur suchen, interessieren sich vorwiegend für die Optik. Sie werden also auch mit einem schwarzen Basalt oder Kalkstein zufrieden sein. Andererseits verspricht "schwarzer Granit" eine Reihe an wünschenswerten Eigenschaften: Granit ist bekannterweise sehr robust. Er trotzt Wind und Wetter und reagiert nicht, wie viele andere Natursteinsorten, empfindlich auf Säure. Die Bezeichnung "schwarzer Granit" suggeriert dem Kunden also Widerstandsfähigkeit und Qualität. Und genau da liegt das Problem. Kunden, die nicht eigenständig nachhaken, können getäuscht werden. Schwarzer Granit ist nun mal nicht schwarzer Kalkstein. Das würde dann auch spätestens bei der Reinigung und Pflege von Granit unangenehm auffallen: Kalkstein ist säureempfindlich, seine Oberfläche würde durch die Verwendung bestimmter Reinigungsmittel zerstört werden.

    Backsteinhaus mit Terrasse aus dunklen Schieferplatten davor
    Sehr schön ist auch der Black Rustic, er ist allerdings ein Schiefer und eher dunkelgrau. Oft wird auch schwarzer Schiefer als "schwarzer Granit" vertrieben.

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